Willkommen auf unserem Blog…
Zunächst möchten wir uns vorstellen:
Hierzu gleich ein kleiner Film auf Youtube (Klick mich an)
Wir das sind die Berufsausbilder des Berufsförderungswerk der Fachgemeinschaft Bau gGmbH. Wir bilden junge Menschen im Bauhauptgewerbe (Betonbau, Fliesenleger, Zimmerer, Straßenbauer, Kanalbauer, Rohrleitungsbauer, Gleisbauer, Brunnenbauer, Spezialtiefbauer, Holz- und Bautenschützer, Trockenbauer, Stuckateure und Maurer) aus.
Einige von uns üben ihren Beruf seit über 30 Jahren, andere „erst“ seit 15 Jahren aus.
Es macht uns Spaß Jugendliche auf ihre Zukunft und die Herausforderungen, die Sie auf den Baustellen erwarten vorzubereiten.
Unser Arbeitgeber:
Ist das Berufsförderungswerk der Fachgemeinschaft Bau gGmbH.
Früher waren wir der Fachgemeinschaft Bau Berlin & Brandenburg e.V. direkt, als Abteilung, angegliedert. Doch wie auch in vielen anderen Berufssparten hat sich die Fachgemeinschaft entschieden Kapital und Arbeitnehmer voneinander zu trennen. So kam es, das man uns am Freitag den 16.09.2005, kurz vor Feierabend einen neuen Arbeitsvertrag unter die Nase hielt, mit der Auflage, diesen bis zum Montag den 19.09.2005 unterschrieben zurück zu geben. Wir standen vor einer schweren Entscheidung. Entweder den Arbeitsvertrag bis Montag früh 7.00 Uhr unterschrieben abgeben oder Kündigung bzw. Auflösung des Lehrbauhofes.
Inhalt des Vertrages war zum einen der Übergang von der Fachgemeinschaft Bau Berlin & Brandenburg e.V. zum Berufsförderungswerk der Fachgemeinschaft Bau gGmbH und zum anderen deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen, wie zum Beispiel:
Abschaffung der Sozialtage, bzw. Verringerung auf das gesetzliche Minimum
Krankschreibung ab dem ersten Fehltag (Vorher ab dem vierten)
Schrittweise Abschaffung des zusätzlichen Urlaubsgeldes
Schrittweise Abschaffung des Weihnachtgeldes
Verringerung des Einkommens
Verringerung der Arbeitszeit von 40 auf 37 Stunden (Tatsächlich arbeiten wir nach wie vor 40 Stunden. Die Überstunden müssen abgebummelt werden und “können” nicht ausgezahlt werden)
Statt 30 Tage Urlaub, nur noch 25 Tage Urlaub
Der uns genannte Grund, der angeführt wurde, ist wohl den meisten von euch bekannt.
Arbeitsplatzsicherung!?
Das Ergebnis:
Seit 13 Jahren keine Gehaltserhöhungen, sondern zusätzlich noch Lohnabbau und gravierende Einschnitte in die Rahmenbedingungen
Von ehemals mehr als ~55 Kollegen sind heute noch ~16 übrig
(wo ist die Arbeitsplatzsicherung nur geblieben?)
Unsere Misere:
Zu den Hochzeiten haben ~55 Kolleginnen und Kollegen ~1000 Auszubildende betreut, heute betreuen ~16 Kolleginnen und Kollegen ~750 Auszubildende. „Eventuell“ anfallende Engpässe, werden heute durch sogenannte Honorarkräfte abgefangen, die häufig keinerlei Erfahrung in der Berufsausbildung vorweisen, sondern entweder selbstständig oder arbeitslos sind.
Die Engpässe sind mittlerweile zur Gewohnheit geworden, so bilden heute im ersten Ausbildungsjahr fast ausschließlich Honorarkräfte aus. Das nach Auffassung der Berufsausbilder und der Auszubildenden mit Einführung der Honorarkräfte, die Qualität der Ausbildung gelitten hat, scheint unseren Arbeitgeber nicht zu interessieren. Spricht man derartiges an, heißt es schlicht: „Sie sind den Honorarkräften nicht wohl gesonnen“ oder „Das lassen Sie mal meine Sorge sein“.
Verbesserungsvorschläge:
-Im Rahmen eines Auszubildenden Austausches mit Norwegen (Leonardo Da Vinci Projekte), musste ein Kollege sich mit dem Geschäftsführer darum streiten, das er seine Auslagen und seine Arbeitszeit in Norwegen vergütet bekam. Die Belobigung für den betriebenen Aufwand sah so aus, das ihm der Geschäftsführer mitteilte, das die geleistete Arbeit, bzw. der Mehraufwand nichts besonderes sei und wenn er es nicht weiter machen wolle, könnte das auch jeder andere übernehmen. Welch Motivation!
-Seit Jahren wird darum gekämpft Computer in den Büros der Ausbilder zu etablieren, um denen die Informationsbeschaffung und Zusammenarbeit mit anderen Ausbildungszentren zu erleichtern, bzw. zu ermöglichen. Begründung: Daran arbeiten wir. (Seit fast 10 Jahren)
-Bücher und veränderte Normen sollen sich die Ausbilder selbst beschaffen und finanzieren. Begründung: Sie verdienen genug!
-Projekte in und für die Öffentlichkeit unter sozialpolitischen Aspekten, z.B. für Schulen, Kindergärten, staatlichen Altersheimen und sonstigen staatlichen Einrichtungen sind nicht erwünscht und werden von vornherein abgelehnt.
Begründung: Unsere Mitglieder (zur Erinnerung: die Fachgemeinschaft Bau ist der Arbeitgeberverband für Berlin & Brandenburg) wollen solche Projekte nicht, da wir Ihnen damit die Arbeit wegnehmen.
Da wird in der Öffentlichkeit gepredigt wir müssen etwas für unseren Nachwuchs tun. Wenn es dann aber darauf ankommt Initiative zu ergreifen und tatsächlich innovative Wege einzuschlagen, will keiner mehr etwas davon wissen.
Usw. usw. usw.
Die jüngsten Ereignisse:
28.08.2009:
Nachdem die Tarifkommission seit Februar 2008 erfolglos Gehaltsverhandlungen im Namen der Belegschaft geführt hatte, sind diese am 28.08.2009 als gescheitert erklärt worden. Das letzte Angebot der Arbeitgeberseite sah folgendermaßen aus:
Arbeitszeitverlängerung bei Lohnausgleich, auf Basis der geltenden Stundensätze (Verträge).
Dies ist kein Angebot, sondern eine Provokation!
09.09.2009:
Darauf folgte am 09.09.2009 die Urabstimmung, die mit einer Zustimmung von 100% eindeutig ausgefallen ist.
16.09.2009:
Am Mittwoch den 16.09.2009 sind die Ausbilder des Lehrbauhofes erstmalig von 11.00 – 16.00 Uhr in den angemeldeten Ausstand getreten, um am 20. Ordentlichen Gewerkschaftstag der IG BAU im Berliner Estrel Hotel teil zu nehmen und mit Bundesarbeitsminister Olaf Scholz in Kontakt zu treten.

Wir wurden mit stehenden Ovationen auf dem Gewerkschaftstag begrüßt.
Zum Abschluss der Gespräche erhielten wir folgendes Schreiben.

17.09.2009:
Wie sehr wir von unserem Arbeitgeber für unseren Einsatz und unsere Leistungen geschätzt werden, durften wir bereits am nächsten Tag erfahren. Wir standen vor verschlossenen Türen und wurden von Sicherheitskräften daran gehindert unsere Arbeit wieder aufzunehmen.
Der Geschäftsführer Bank ging sogar soweit seinen Mitarbeitern den Zugang und das mitnehmen ihrer persönlichen Sachen zu verweigern, so dass die Polizei zur Unterstützung gerufen werden musste.

Selbst dem Betriebsrat wurde der Zugang zum Gelände verwehrt, weshalb er seinen Betriebsratsaufgaben nicht nachkommen konnte. Trotz des Hinweises unseres Betriebsratsvorsitzenden, das dieses Verhalten dem Betriebsverfassungsgesetz entgegen stehen würde und sich der Geschäftsführer strafbar machen würde, lies diesen kalt.
Daraufhin musste ein Schnellverfahren beim Arbeitsgericht eingereicht werden, aus dem hervorgehen sollte, das dem Betriebsrat der Zugang zum Gelände gewährt werden muss. Dieser Beschluss ist dem Betriebsrat und dem Geschäftsführer am 22.09.2009 zugegangen, mit dem Inhalt das dem Betriebsrat das Betreten und der Aufenthalt auf dem Betriebsgelände zur Erledigung von Betriebratsarbeiten zu gestatten ist, für den Fall der Zuwiderhandlung gegen eine der Verpflichtungen, wird ein Zwangsgeld in Höhe von bis zu 10.000,00 € angedroht.
Soweit musste es nun kommen. Traurig!!!
Dazu ein Bericht vom 19.09.2009 aus dem Tagesspiegel:
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/art271,2903137

23.09.2009:
Zu den zugesagten Verhandlungen kam es jedoch nicht, weshalb es am Mittwoch den 23.09.2009 wiederholt zu einer angemeldeten Arbeitsniederlegung für die Zeit von 10.00 – 16.00 Uhr gekommen ist. Wir schlossen unsere Hallen ab, da wir es nicht verantworten können die Auszubildenden ohne Aufsicht in den Hallen weiter arbeiten zu lassen und begleiteten Sie zum Büro der Geschäftsführung. Hier wurden unsere Azubis bereits erwartet und in Schulungsräume verwiesen, um zunächst einmal ab zu warten.
Wir, die Ausbilder des Lehrbauhofes haben den Tag genutzt, um uns darüber ein Bild zu machen, mit welcher Ausstattung andere Lehrbauhöfe ausbilden.
Wir mussten mit erschrecken feststellen, das die Ausbilder in anderen ÜAZ`s offensichtlich auf mehr Gehör stoßen, wenn es darum geht die Ausbildung voran zu treiben und ständig zu verbessern.
“Davon können wir nur träumen” sagte ein Kollege zu mir…
24.09.2009:
Am darauf folgenden Tag trafen wir an unserem angestammten Arbeitsplatz auf die selbe Situation wie eine Woche zuvor.
Die “paramilitärisch gekleideten schwarzen Sheriffs” hatten sämtliche Zugänge versperrt und hinderten uns am betreten des Geländes.
Diesmal wartete der Geschäftsführer Bank am Tor auf uns. Fotografieren lassen wollte er sich nicht…

und verteilte, mit einem lächeln im Gesicht, folgende Schreiben:

Selbstverständlich wird kein Ausbilder ein Schriftstück aufsetzen und unterschreiben, indem es darum geht auf seine Grundrechte zu verzichten (Das Streikrecht (Arbeitskampfrecht) ergibt sich aus Art. 9 Abs. 3 GG, der Koalitionsfreiheit).
Damit war der 24.09.2009 für uns noch nicht vorbei. Wir zogen uns zurück und berieten über unsere weitere Vorgehensweise.
Es wurden zwei Gruppen gebildet. Einige unsere Kollegen fuhren noch zum Arbeitsgericht mit unserem Betriebsratsvorsitzenden. In der Verhandlung ging es, wie leider allzu oft geschehen, um die Behinderung der Betriebsratsarbeit seitens unseren Geschäftsführers Bank. Die Entscheidung des Gerichts bleibt abzuwarten.
Die anderen trafen sich mit dem stellvertretenden und dem Regionalleiter der IG BAU Berlin, um das Vorgehen am nächsten Tag zu beraten.
25.09.2009:
Uns erwartete das gewohnte Bild. Allerdings waren diesmal nicht nur vier Sicherheitskräfte zu sehen, sondern acht oder mehr!!
Der Morgen begann damit, das solidarisierende ehemalige Auszubildende uns vor dem Tor besuchten und uns mit Kaffee versorgt haben.
Selbst ein ehemaliger Auszubildender der an dem Austauschprogramm mit Norwegen teil genommen hatte und gerade aus Norwegen (Oslo) zurückgekommen war, verbrachte den halben Tag mit uns vor der Einfahrt zum Ausbildungsgelände.

Über den Tag verteilt kamen nach und nach immer mehr Auszubildende, die derzeit durch besagte Honorarkräfte betreut wurden und erkundigten sich bei uns darüber, mit welcher Herangehensweise Sie die Ihnen aufgetragenen Werkstücke am besten erledigen könnten. Es wurden von Seiten der Auszubildenden absichtlich Ihnen bekannte Fehler eingebaut und die Vertretung gefragt, ob Ihre Arbeit so in Ordnung sei. Ja, alles hervorragend war die Antwort!
Deshalb gab es immer mehr Beschwerden bei uns über die Qualität der Ausbildung. Die Gewerkschaftsmitarbeiter gaben den Auszubildenden zu verstehen, das uns hier die Hände gebunden seien, aber Sie die Möglichkeit hätten sich direkt beim Geschäftsführer Bank zu beschweren, was die Azubis auch taten. Es gibt mittlerweile mehrere Beschwerdebriefe von Seiten der Auszubildenden. Zwei wollen wir hier veröffentlichen.


Später mussten wir von den Auszubildenden erfahren, das Sie im Anschluss an diese Schreiben vom Geschäftsführer unter Androhung von Kündigung daran gehindert werden sollten sich noch einmal dem Tor zu nähern.
Die Auszubildenden ließen sich nicht beirren und kamen dennoch zu uns und berichteten über die Vorgänge auf dem Betriebsgelände. „Herr Bank hat die Preise am Imbiss um 0,50 € gesenkt“, sagte uns einer der Auszubildenden. „Wir lassen uns aber nicht erpressen“, sagte ein anderer.
Gegen Mittag erschien dann der Regionalleiter der IG BAU Berlin, Rainer Knerler, mit der Absicht das Gespräch mit Herrn Bank zu suchen. Dieser verweigerte ihm jedoch den Zutritt.
Nachdem er über die Vorkommnisse auf dem Gelände informiert war und die Schreiben der Auszubildenden gelesen hatte bat er nochmal um ein Gespräch mit dem Geschäftsführer Bank, diesmal jedoch in seiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender der Sozialkasse des Berliner Baugewerbes. Er wollte sich nun ein Bild machen über die Situation der Auszubildenden. Auch diesmal verwehrte man ihm den Zugang zum Betriebsgelände, mit der Auskunft er habe im Vorfeld kein Gesprächstermin vereinbart.
Daraufhin rief Herr Knerler die Geschäftsführerin der Sozialkasse des Berliner Baugewerbes an und verlangte das Herrn Bank umgehend ein Fax zugesandt wird, indem er um Einlass auf das Gelände bat.
Die Sozialkasse entscheidet letztlich über die Vergabe der Fördermittel, die dem Lehrbauhof für die überbetriebliche Ausbildung der Auszubildenden des Bauhauptgewerbe zur Verfügung gestellt werden.
Zu den Vorkommnissen der letzten Tage hier noch ein Artikel aus dem Berliner Kurier vom 26.09.2009:

Die verbliebenen Ausbilder vom Lehrbauhof Marienfelde bedanken sich für eure Aufmerksamkeit!!!
Spätestens nächste Woche wird es an dieser Stelle weitere Berichte geben.
Wer an Tagesaktuellen Informationen über die Geschehnisse interessiert ist, kann gerne unserem Twitter folgen unter:
http://twitter.com/Arbeitskampflbh
Über einen Kommentar ihrerseits würden wir uns sehr freuen!!!